Demokratie unter Druck
Wachsende soziale Ungleichheit und Abstiegsängste gefährden das Vertrauen in demokratische Prozesse.
Überblick
Das Vertrauen in demokratische Institutionen und das gesellschaftliche Miteinander schwindet. Eine gefühlte Polarisierung und die strategische Verschiebung des Sagbaren setzen den öffentlichen Diskurs unter Druck und tragen dazu bei, extreme Positionen bei einem verunsicherten Teil der Bevölkerung zu normalisieren.
Obwohl die Mehrheit der Bevölkerung prinzipiell an der Demokratie festhält, steigt die Unzufriedenheit mit ihr. Wachsende soziale Ungleichheit kommt erschwerend hinzu. Doch es gibt Handlungsspielräume: Konstruktive Strategien, die positive Visionen setzen und konkrete Lebensrealitäten statt abstrakter Empörung in den Mittelpunkt rücken, können helfen, das Vertrauen wieder zu stärken.
Das Vertrauen in Demokratie ist seit 2023 von 54 % auf 45 % gesunken.
Umfrage der Körber Stiftung, 2025Erstmals seit über 20 Jahren gibt es mehr autokratische (91) als demokratische Länder (88).
V-Dem Insitute, 2025Trend-Herkünfte
Signale, die wir sehen
Medienkritik als Nutri-Score
Das Startup „Democracy Intelligence“ veröffentlicht auf Social Media KI-gestützte Auswertungen von Talkshows. Mit dem „Democracy Score“ wird der Anteil der faktisch richtigen bis desinformierenden Aussagen der Gäst:innen und Moderator:innen bewertet.
Nachrichten-Bündnis für Demokratie-Beobachtung
Die dpa und vier weitere Nachrichtenagenturen haben sich zur „Democracy News Alliance“ zusammengeschlossen. Gemeinsam wollen sie systematisch demokratische Entwicklungen beobachten und analysieren.
Politischer Druck auf ÖRR nimmt zu
Im Zuge des Inkrafttretens des Europäischen Medienfreiheitsgesetzes (EMFA) warnen die Reporter ohne Grenzen vor wachsender politischer Einflussnahme auf den ÖRR in Europa. Während Deutschland vergleichsweise noch gut geschützt ist, wird die Unabhängigkeit anderer Anstalten Europas bereits in Frage gestellt.
Was heißt das für uns?
Handlungsfelder
für die ARD
- Welche Konfliktdynamiken sorgen für den Vertrauensverlust in die Demokratie?
- Welche Rolle spielt der ÖRR als demokratische Institution und als Medienunternehmen?
- Wie gelingt die aufrichtige Repräsentanz von Menschen, die sich vom ÖRR nicht gesehen fühlen?
- Wie gelingt die Abwägung zwischen aufrichtigen Sorgen und Ängsten und ihrer politischen Instrumentalisierung?