Junger Konservatismus
"Regrounding" prägt Gen Z: Auf der Suche nach Halt gewinnen konservativere Orientierungsmuster im Lifestyle an Bedeutung.
Überblick
In Teilen der Gen Z lässt sich eine Zäsur beobachten. Neben progressiven Ansätzen wächst das Interesse an Ordnung, Identität und traditionellen Werten. Krisen führen zu einer Verschiebung der Prioritäten: Weg vom Kollektiv, hin zur Absicherung im Privaten („Regrounding“). Dies zeigt sich auch kulturell: Konservative Ästhetik, klare Dating-Strukturen und Rollenbilder sowie eine traditionellere Sprache werden zum Lifestyle-Element. Was als Stilfrage beginnt, etabliert sich zunehmend als gesellschaftliches Angebot.
Der Wandel spaltet die Generation. Junge Frauen bleiben oft progressiv, bei jungen Männern wächst der Zuspruch zu konservativen Positionen.
Zwei Drittel der Gen Z in den USA finden, dass der Blick in vergangene Epochen hilft, Stress und Zukunftsängste zu bewältigen.
Studie des Human Flourishing Lab, 20259 von 10 der über alle Plattformen hinweg größten US-Onlineshows sind rechtsgerichtet.
Media Matters, 2025Signale, die wir sehen
Gender-Gap in der Kirche
Ein Experte der Deutschen Bischofskonferenz beschreibt einen neuen Gender-Gap in der katholischen Kirche: Junge, konservative Männer suchten dort „einen Hort von Sicherheit“ für traditionelle Rollenbilder und Lebensentwürfe. Gleichzeitig verliere die Kirche besonders junge Frauen. Sie träten häufiger aus, u.a. wegen unveränderter Machtstrukturen und fehlender Teilhabe.
Gen Z wünscht sich wieder mehr Ehe
Eine britische Generation-Z-Studie zeigt eine konservativere Orientierung bei Beziehungen als vor 20 Jahren. Fast zwei Drittel halten Ehe für wichtig, nur ein Fünftel nennt sie „irrelevant“ (vgl. 2004: 39%). Ein Drittel findet zudem, Paare sollten vor dem Kinderkriegen verheiratet sein. One-Night-Stands werden im Freundeskreis deutlich seltener als „üblich“ beschrieben als 2004.
Womanosphere Dating
Konservative US-Influencerinnen prägen Dating wieder stärker als Wertefrage. Sie koppeln Partnersuche an Politik, Religion und traditionelle Rollenbilder und machen „Tradwife“ und „America First“ zu popkulturellen Codes. So wandert Rechtskonservatismus aus dem Politikteil in Alltagsentscheidungen und Beziehungsideale.
Was heißt das für uns?
Handlungsfelder
für die ARD
- Wie können wir das Bedürfnis nach Sicherheit und „Regrounding“ bedienen, ohne reaktionäre Weltbilder zu bestätigen?
- Wie schaffen wir positive Vorbilder für junge Männer?
- Wie gestalten wir Dialog/Community-Regeln, damit Debattenräume nicht zur Verstärkeranlage werden?
- Wie erkennen wir die Grenze zwischen Lifestyle-Codes und Radikalisierung?
- Müssen wir Themen wie „Heimat“ und „Sicherheit“ stärker besetzen, um sie nicht antidemokratischen Kräften zur Instrumentalisierung zu überlassen?