Fokustrend

Power of Unsicherheit

Unsicherheit als Normalzustand und konstruktiver Innovationstreiber.

Stand: Januar 2026

Überblick

Durch rasanten technologischen Wandel und aufeinander folgende Krisen (Stichwort: Omnikrise) ist ein Unsicherheitsgefühl für viele Menschen allgegenwärtig. Wenn Unsicherheit der Normalzustand ist, braucht es nicht nur Resilienz, sondern Antifragilität, um Zukunft gut gestalten zu können. Antifragile Organisationen nutzen Unsicherheit als Innovationskraft und betrachten sie als Möglichkeit für Weiterentwicklung und Verbesserung. Sie werden stärker und reagieren flexibel. Wie in der Natur Bäume, die im Sturm anpassungsfähig in Bewegung bleiben.

Damit Unsicherheit zur Innovationskraft werden kann, spielen kontinuierliches Lernen, das Aneignen neuer und das Vertiefen bestehender Skills eine wichtige Rolle (Re-Skilling und Up-Skilling). Ebenso wie psychologische Sicherheit im Arbeitsumfeld, damit Mitarbeiter:innen neue Ideen einbringen, kritische Fragen stellen und Fehler offen ansprechen. Führungskräfte in antifragilen Organisationen sehen sich als Ermöglicher:innen.

Nur 60 % der Befragten fühlen sich (sehr) sicher in Deutschland. 2019 waren es noch 73 %.

Sicherheitsreport, 2025

Nur 52 % der befragten Arbeitnehmer:innen fühlen sich von ihren Führungskräften ermutigt, neue Ideen auszuprobieren.

Netigate Benchmark Studie, 2024

Signale, die wir sehen

Start-up mit antifragilen Prinzipien

Ein US-amerikanisches Mental Health Start-up nutzt typische antifragile Prinzipien im People und Performance Management und hat so ein Wachstum von null auf mehrere hundert Mitarbeiter:innen geschafft. Das Start-up kombiniert das mit einer Kultur, die Belastungsspitzen aktiv als Trainingsphasen nutzt, Erholung fest in die Organisation einbaut und auf „schnelles Lernen statt reine Performance-Messung“ setzt. 

Quelle: headway.co

Modellgrafik der Leistungsentwicklung eines Systems während und nach einer Störung

Widerstandsfähigkeits-Tool

Das Tool RESMETRIC der HU Berlin und der University of York misst, wie widerstandsfähig Systeme sind. Es zeigt, wie sich Leistung bei Störungen verändert, berechnet den stärksten Einbruch, Erholungsgeschwindigkeit und Stabilität danach. Ein Resilience Score gibt Hinweise, ob das System über die Zeit stärker wird. So können Forschende und Unternehmen Systeme vergleichen und sie langfristig anpassungsfähiger machen.

Quelle: arxiv.org

Eine japanische Hotel-Mitarbeiterin an der Tee-Service-Station

Neues Rekrutierungsmodell für Hotels

Eine japanische Hotelkette hat das Rekrutierungsmodell „Stay first, interview later“ eingeführt. Potenzielle Mitarbeiter:innen können vor dem Vorstellungsgespräch kostenlos übernachten, um realistische Einblicke in Arbeitsumfeld und Dienstleistungen zu bekommen. Ziel ist, die hohe Fluktuationsrate der Angestellten zu senken. Das Konzept basiert auf dem Recruiting-Ansatz RJP (Realistic Job Preview).

Quelle: trendwatching.com

Was heißt das für uns?

Handlungsfelder
für die ARD

  • Wie können wir zu einer antifragilen Organisation werden, die Unsicherheit optimal als Innovationskraft nutzt?
  • Wie können wir kontinuierliches Lernen und gleichzeitig psychologische Sicherheit fördern?
  • Wie werden Führungskräfte zu Ermöglicher:innen?
  • Ein Verständnis von „Unsicherheit als Chance zur Verbesserung“ kann auch Druck erzeugen – gerade bei Teams mit hoher Belastung. Wie finden wir einen guten, gesunden Umgang damit?
  • Wie bieten wir unseren Nutzer:innen in unsicheren Zeiten Orientierung, Verlässlichkeit und ein Sicherheitsgefühl?

Äußere Kräfte,
die einwirken

Omnikrise Technische Innovation Künstliche Intelligenz Vertrauen Fairness Mental Health