Digitale Verletzlichkeit
Einsamkeit, Social-Media-Druck und Dauerkrise belasten die Seele. Lösungen sind gefragt.
Überblick
Wir sind vielfach vernetzt und ständig erreichbar – und fühlen sich doch zunehmend allein. Besonders junge Menschen erleben diese Einsamkeit, zusätzlich zum Druck auf Social Media und dem anhaltenden Dauerkrisenmodus. Sie suchen nach Lösungen, nach Nähe und Unterstützung – immer häufiger online und im Kontakt mit KI. Doch wer diese digitalen Angebote nutzt, macht sich auf neue Art und Weise verletzlich.
Parallel ist die psychische Gesundheit für Millennials und die Gen Z zum Alltags- und sogar Lifestyle-Thema geworden: Ihre Offenheit für Therapien und Diagnosen lässt Aufklärungs- und Coachingangebote boomen. Doch die Qualität schwankt; einige Angebote schaden eher oder erzeugen nur die Illusion von Empathie und Nähe. Dabei sind gerade von Einsamkeit belastete Menschen gefährdet: Ihr Vertrauen in Demokratie und Politik bröckelt besonders schnell.
60 % der stark einsamen jungen Deutschen glauben nicht, dass sie in Politik oder Gesellschaft etwas verändern können.
Bertelsmann Stiftung, 2025Für 29 % der Jugendlichen ist die Nutzung von Social-Media-Plattformen mit belastenden Gefühlen verbunden.
Vodafone Stiftung, 2025Trend-Herkünfte
Signale, die wir sehen
TikTok macht sich für gesündere Nutzung stark
TikTok hat einen neuen „Time & Well-Being“-Bereich gestartet, der Nutzende zu gesünderer Bildschirmzeit und bewussterem Scrollen anregen soll. Die App Tools bietet Tools wie ein Affirmations-Tagebuch, beruhigende Klangwelten und geführte Atemübungen an – ergänzt durch Tutorials zur Nutzung von Bildschirmzeitlimits oder „Family Pairing“.
Virtuelle Haustiere gegen die Einsamkeit
Virtuelles Co-Parenting: Das Berliner Startup „Born“ bietet mit seiner App „Pengu“ die Möglichkeit, zu mehreren ein KI-Haustier großzuziehen und zu betreuen. Durch die soziale Interaktion soll Nähe geschaffen und die Einsamkeit der User:innen gelindert werden. Nach Angaben des Unternehmens hat die App weltweit 15 Millionen Nutzer:innen.
Anti-Heimweh-Kurs für Neu-Londoner:innen
Mental Health als strategisch inszeniertes Angebot: Ein Appartement-Haus in London organisiert für seine Gäste ein vierwöchiges Programm gegen Stress und Heimweh nach einem Umzug. Angeboten werden z. B. Coachings, Hypnotherapie-Sessions, Meditations-Kurse, Kultur- und Networking-Events. Kosten: etwa 1.000 Pfund.
Was heißt das für uns?
Handlungsfelder
für die ARD
- Wie werden wir unserer Verantwortung gerecht, wenn sich uns Menschen auf der Suche nach Nähe und Unterstützung zuwenden?
- Wie können öffentlich-rechtliche Angebote wieder mehr verbindenden Lagerfeuer-Charakter bekommen?
- Wie können wir vor Ort noch mehr Räume für Dialog und Austausch im „echten Leben“ schaffen?
- Wie sensibilisieren wir in angemessener Weise für die Gefahren von KI-Companions und intensiver Social-Media-Nutzung?